Führen mit Haltung: Was eine gute Schulführung ausmacht

Zum Abschluss meiner Ausbildung an der PHZH habe ich mir auf Basis meiner Lektüre Gedanken dazu gemacht, was eine gute Schule ist und weshalb ich motiviert bin, Verantwortung für eine Schule zu übernehmen. 

Warum: Was ist mein Motiv, eine Führungsfunktion zu übernehmen?

Die politischen und professionellen Rahmenbedingungen stellen Schulleitungen vor erhebliche Herausforderungen (Behördenhandbuch, 2018). Eine wirksame Führung erfordert den Einbezug aller Beteiligten, insbesondere durch Offenheit und Transparenz, Empathie und Geduld, um die Expertenorganisation Schule durch Verständnisvermittlung zu schützen (Thomann 2021) und partizipative Entscheidungsprozesse zu ermöglichen (Anderegg 2023).

Die Belohnung liegt in der Möglichkeit, sowohl individuelle Bildungsbiografien positiv zu beeinflussen als auch einen gesamtgesellschaftlichen Beitrag zu leisten, denn die Schule steht für Sozialisierung, also Menschen in bestehende soziale, kulturelle, politische Ordnungen einzuführen (Biesta 2020), widerspiegelt den sozialen Wandel (Fend 2016) und ermöglicht Integrationsförderung und Förderung der Chancengerechtigkeit (Aellig 2021).

Wozu: Was heisst gute Führung?

Im Sinne von Brückel (2023) versteht man Schulentwicklung als einen kontinuierlichen, partizipativen Prozess, in dem Veränderung gemeinsam geplant, reflektiert und getragen wird. Gute Führung befähigt damit alle Beteiligten, Schule aktiv und lernorientiert weiterzuentwickeln.

Es gilt die Schule als lernende Organisation zu gestalten, in der alle Akteure gemeinsam Verantwortung für die Qualität von Lernen und Lehren übernehmen (Anderegg 2023). Grundlage ist die Überzeugung, dass Lernwirksamkeit vor allem durch gelingende Lehrer-Schüler-Interaktionen und ein hohes Mass an Feedback- und Reflexionskultur entsteht (Lotz 2015). 

Gute Führung schafft also neben klaren Strukturen insbesondere eine Schulkultur, die professionelle Lernprozesse fördert und die Qualität des Unterrichts ins Zentrum stellt (Dubs 2005, Meyer 2011). Entwicklungsprozesse sollen evidenzbasiert initiiert,  begleitet und gemeinsam verfolgt werden (Fabian 2008).

Mit wem und wodurch: Wie ist Führung (systemisch) eingebettet?

Ich führe auf Basis von Werten wie Transparenz, Fairness, Verantwortung und Professionalität, orientiert an übergeordneten Qualitätsstandards (Zürich Bildungsdirektion 2011, LCH 2025). Entscheidungen basieren auf erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen (Reichenbach 2013) und Forschungsergebnissen sowie schulrechtlichen Rahmenbedingungen (Dubs 2005). Gleichzeitig gilt es die mannigfaltigen politischen Ansprüche und Ideologien ganz im Sinne der republikanischen Gründungsidee zu berücksichtigen und einzubinden (Behördenhandbuch). 

Ich orientiere mich an einer Führungskultur, die – im Sinne von Fabian (2008) – die Organisationskultur bewusst gestaltet, Vertrauen aufbaut und Lernprozesse auf allen Ebenen fördert. Mein Fokus liegt auf einer Schule, die sowohl leistungsorientiert als auch human ist: Fend (2016) zeigt, dass Schulen dann humaner werden, wenn sie personale Beziehungen und Selbstwirksamkeit stärken. Dies deckt sich mit den Erkenntnissen von Scherzinger und Wettstein (2022), die gelingenden Beziehungen als Fundament erfolgreicher Schulentwicklung hervorheben. Im Führungsalltag bedeutet das für mich, Strukturen und Haltungen zu fördern, die Lernen ermöglichen, Sinn stiften und Zugehörigkeit schaffen.

In welcher Form: Welche Führungsgrundsätze leiten mich?

Die Führung ist in ein Mehrebenensystem eingebettet, das koordinative, partizipative und ko-konstruktive Prozesse erfordert (Altrichter 2016). Ich verstehe mich als Übersetzer zwischen den Ebenen und fördere transparente Entscheidungsprozesse, offene Kommunikation und geteilte Verantwortung (Anderegg 2023). Führung bedeutet für mich, Orientierung zu geben, Entscheidungsräume zu öffnen und professionelle Reflexion zu ermöglichen – nicht Kontrolle, sondern Rahmensetzung (Dubs 2005, Thomann 2021).

In einer hierarchiearmen Expertenorganisation wie der Schule gilt es, Balance zwischen Leitung und Autonomie der Fachpersonen zu halten (Anderegg 2023). Durch partizipative Führung werden Verantwortung und Entwicklung geteilt, Schulentwicklung wird zu einem gemeinschaftlichen, lernwirksamen Prozess (Dubs 2005). Dabei verstehe ich Schulentwicklung als kontinuierliche, systematische und nicht-lineare Bewegung im Sinne des Schulentwicklungsrads (Brückel 2023).

Mit welchem Ergebnis: Woran kann ich gemessen werden?

Mein Führungserfolg soll sich in erster Linie an der Freude und den Lernfortschritten der Schülerinnen und Schüler sowie der professionellen Weiterentwicklung des Lehrpersonals, deren Arbeitszufriedenheit und deren Teamkohäsion zeigen (Lotz 2015). Auch die Umsetzung politischer Vorgaben aus den verschiedenen Ebenen, wie inklusiver Bildung und Demokratieschulung, soll so reibungslos wie möglich erfolgen. Ganz zentral ist auch die Gewinnung des Vertrauens der Elternschaft. Über die Zeit soll sich die Ruhe und Konstanz der Führung in der Messung der Qualitätsstandards niederschlagen und zu einer guten externen Schulevaluation führen.